Was funktioniert eigentlich Direktvermarktung bei Erneuerbaren Energien

überregional 30.10.2019


Wer frisches Obst und Gemüse kaufen will, geht normalerweise in den Supermarkt. Der Supermarkt kauft diese Produkte (zumindest teilweise) bei Landwirten aus der Region ein und verkauft sie an seine Kunden weiter.

So ähnlich hat lange Zeit auch der Handel mit Strom aus Erneuerbaren Energien funktioniert: Die Betreiber von Windenergie-, Solar- oder Biomasseanlagen haben ihren Strom an die Netzbetreiber abgegeben. Hierfür erhielten sie eine kostendeckende Vergütung. Der Netzbetreiber hat dann den Strom an der Strombörse vermarktet. Dort wird er von Energieversorgern gekauft und findet so seinen Weg zum Stromkunden. Die Differenz aus der Vergütung und den Verkaufserlösen des Netzbetreibers wird in Form der EEG-Umlage auf alle Stromverbraucher umgelegt.

Dass das Ganze auch anders geht, weiß jeder, der auf dem Land lebt – und seine Tomaten statt im Supermarkt direkt beim Bauern kaufen kann. Das sogenannte "Marktprämienmodell" wurde 2012 beim Strom aus Erneuerbaren Energien eingeführt. Seitdem können die Anlagenbetreiber ihren Strom nicht nur an den Netzbetreiber verkaufen, sondern können oder müssen ihn "direktvermarkten".

Wie funktioniert das und was hat das mit einem virtuellen Kraftwerk zu tun? Zu diesem Thema informierten heute die Fachleute der DREWAG und ENSO in einem Pressegespräch.

Die Direktvermarktung

Die Direktvermarktung dient dazu, den Strom aus Erneuerbaren Energien in den Strommarkt zu integrieren. Gleichzeitig soll ein Anreiz für passende Erzeugungsprognosen und zur bedarfsgerechten Fahrweise von diesen Anlagen geschaffen werden.
An der Direktvermarktung sind alle Erneuerbaren Energieanlagen mit mehr als 100 Kilowatt installierter Leistung beteiligt. Verpflichtend ist dies ab der Inbetriebnahme 01.01.2016 und später. Freiwillig gestaltet es sich für ältere Anlagen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind die sogenannte ¼ Stunden- Lastgangmessung, die Online–Erfassung und Fernsteuerbarkeit. Das aktuelle Direktvermarktungsportfolio von DREWAG und ENSO beinhaltet insgesamt 378 EEG-Anlagen mit 419 Megawatt installierter Leistung und einer Einspeisemenge von 964 GWh. Diese stammen aus vielen Windkraftanlagen, viel Biomasse, etwas Sonne und ein wenig Wasserkraft. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Kundenanlagen. Die DREWAG/ENSO arbeitet dabei schon seit 2012 mit Einzelpersonen oder Institutionen als Investoren, Industrieunternehmen mit Überschusseinspeisung, Projektentwicklern, landwirtschaftlichen Unternehmen mit Biogasanlagen und Bürgerenergiegenossenschaften zusammen.

Virtuelles Kraftwerk

Die Koppelung vieler dezentraler Erzeuger in einem System nennt man Virtuelles Kraftwerk. So können systemrelevante Leistungen wie in einem Großkraftwerk abgerufen werden und gesteuert werden.
Anwendungsbeispiele dafür sind z. B. die Abregelung von Windparks bei entsprechenden Marktsignalen einer Überkapazität oder die optimierte Steuerung von Biogasanlagen anhand von sogenannten Fahrplänen.


Ausblick

2021 läuft für die ersten EEG-Anlagen die Förderung nach 20 Jahren aus. Die Anlagenbetreiber müssen sich die Frage beantworten, ob sich der Betrieb ihrer Anlagen weiterhin lohnt.
Um die langfristigen Investitionen in neue EEG-Projekte auch zukünftig zu ermöglichen, können PPAs (power purchase agreement) genutzt werden. Dabei bringt der Direktvermarkter Produzenten und Stromabnehmer in eine langfristige Vertragsbindung, die beiden Seiten Vorteile bringt, in dem sich beide gegen zukünftige Strompreisschwankungen absichern können. Aktuell arbeiten DREWAG und ENSO daran, ein regionales Grünstromprodukt zu entwickeln.

Während der Tunnelbohrung und bei der Ausrüstung des Tunnels (Gesamtzeitraum für beide Aktivitäten ca. 9 Monate) muss der Tunnel vor Hochwasser geschützt werden.
Dazu werden bauzeitlich auf den Stahlbeton - Senkkasten 4 m hohe Stahlbetonwände mit einer Wandstärke von 30 cm errichtet. Diese Wandstärke hält dem Druck des Hochwassers stand.
Die Erfahrungen der beiden letzten großen Hochwasserereignisse haben aber auch gezeigt, dass Container oder Wasserfahrzeuge mitgerissen werden können. Im ungünstigsten Fall könnten diese mit dem Aufbau auf dem Senkkasten kollidieren. Um dies zu verhindern, wurden Dalben mit 1 Meter Durchmesser errichtet. Sie sind so angeordnet sind, dass großes Treibgut um die Schutzmauern herumgeleitet wird, ragen 4 m aus dem Boden und sind 9 m tief in den Boden gerammt.
Ist die vier Meter starke Bodenplatte im Bauwerk unterm Volksfestgelände fertig, kommt im Frühjahr 2020 die Stunde der Tunnelbohrmaschine. Deren Werkzeug ist eine 3,20 Meter große rotierende Schneide. Mit diesem sogenannten Hydroschild werden Erde und Fels knapp sieben Meter unter der Elbsohle abgetragen, mit hohem Wasserdruck ausgespült und durch Pumprohre im Kreislauf abtransportiert. Auf diese Weise kann bis zu zehn Meter Vortrieb pro Tag erreicht werden. Parallel zum Vortrieb drückt eine Hydraulik-Presse die Betonfertigteile hinter der Tunnelbohrmaschine in die freigelegte Röhre. Die Errichtung des Elbtunnels ist eine enorme technologische Herausforderung. Ist die Röhre fertig, werden die beiden Fernwärmerohre verlegt und die technische Ausrüstung installiert. Geplant ist, dass der Tunnel im Januar 2021 fertig wird. Er soll 100 Jahre halten. Dazu wurde die Arbeitsgemeinschaft Eiffage Elbdüker Dresden von der DREWAG mit dem Neubau dieser zweiten Elbquerung beauftragt.

Die Realisierung der einzelnen genannten Bauabschnitte erfolgt jeweils in Teilabschnitten unter Vollsperrung. Es kommt zu Einschränkungen für den Durchgangsverkehr, bei Parkplätzen und der Zugänglichkeit der Grundstücke.
Die DREWAG NETZ bittet alle betroffenen Anlieger und Verkehrsteilnehmer um Verständnis und bedauert die Unannehmlichkeiten. 2020 soll dann der elektrische Ausbau mit der Einbindung ins Umspannwerk erfolgen.

Insgesamt investiert die DREWAG NETZ rund 7,5 Mio. Euro in dieses technisch und organisatorisch sehr anspruchsvolle Projekt.


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