Die Preisträgerinnen des Meißner Literaturfests

Meißen 12.06.2019


Preisgeld und Urkunde gehen an Róža Domašcyna und Lisa Kränzler

Im Rahmen des 10. Meißner Literaturfestes hatten Autorinnen und Autoren in diesem Jahr erstmals die Chance, für ihr eigenes Werk, aus dem sie zum Fest vorlesen, eine besondere Auszeichnung den 1. Meißner Literaturpreis zu erhalten.

Aus allen Anmeldungen hat das aus Gabriele Herrmann, Dr. Kerstin Schimmel und Dr. Dr. h.c. Norbert Hermann bestehende Auswahlkomitee Róža Domašcyna und Lisa Kränzler als Preisträgerinnen ausgewählt. Die Preisverleihung fand am Pfingstsonntag, dem 9. Juni 2019, um 17 Uhr im Beisein von Oberbürgermeister Olaf Raschke statt. Die Gewinnerinnen erhielten ein Preisgeld in Höhe von je 1000 Euro, welches durch den Rotary Club Meißen gestiftet wurde sowie eine vom Kunstund Kulturpreisträger Kay Leonhardt gestaltete Urkunde. In den Laudationen wurden die folgenden Details bekanntgegeben (Auszug): „Róža Domašcyna (*1951), geboren in Zerna im Landkreis Kamenz, ist eine sorbische Lyrikerin und Übersetzerin. Sie ist Mitglied des PEN Zentrums Deutschland und der Sächsischen Akademie der Künste. So liest man es bei Wikipedia. Schon in jungen Jahren veröffentlichte die Gedichte in ihrer Muttersprache Sorbisch. Als Studium wählte sie dagegen etwas sehr handfestes, nämlich Ingenieurökonomie des Bergbaus. Dann aber trieb es sie nach Leipzig in das dortige Literaturinstitut. Seit 1990 ist sie freie Schriftstellerin. Als Sorbisch und Deutsch sprechende Lyrikerin hat sie beide Sprachen zueinander in Beziehung gesetzt und kann so Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausloten und in ihre Texte einfließen lassen. Damit hat
sie wesentlich dazu beigetragen, dass sich sorbische Lyrik weiterentwickelt hat. 2018 erhielt unsere Preisträgerin den sächsischen Literaturpreis. Jury-Mitglied Karin Großmann begründete damals ihre Wahl mit den Worten: „Ihre Texte bestechen durch originelle Bilder, poetische Klänge und einen vertrackten Hintersinn.“ Sie hat zahlreiche Lyrikbände veröffentlicht, darunter auch Bücher über andere Künstler. Zudem hat sie Nachdichtungen verfasst, Theaterstücke herausgegeben, Hörspiele und Features veröffentlicht.“ „Lisa Kränzler (*1985), wurde in Ravensburg geboren. Nach dem Abitur studierte sie Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe und bestand dort ihr Diplom. 2012 erschien ihr Erstlingsroman „Export A“. Darin beschreibt sie das Leben einer Austauschschülerin in Kanada. 2019 veröffentlichte sie ihren vierten Roman „Coming of Karlo“. Dieser Roman wurde vom „Spiegel“ auf die Liste der besten 25 Bücher der Saison gesetzt. Lisa Kränzler hat schon mehrere Preise erhalten, wurde mehrfach nominiert für Preise und erhielt 2014 das Märkische Stipendium für Literaten.
Doch warum haben wir uns entschieden, mit dem ersten Meißner Literaturpreis Lisa Kränzler auszuzeichnen? 1. Lisa Kränzler ist eine junge Frau mit gesamtdeutschen Erfahrungen. Sie lebte in Freiburg (im Breisgau), Karlsruhe, Hamburg und jetzt in Dresden. 2. Hier ein paar Gedanken zu ihrem letzten Roman „Coming of Karlo“. Es fällt zunächst auf, dass Lisa Kränzler aus einer unermesslich großen Quelle von Worten schöpft. Ihre Andeutungen aus der Geschichte, Mythologie, Kunst, Geographie und auch den Naturwissenschaften lassen Leserinnen und Leser staunen. Rein zufällig scheint sie immer wieder in die englische Sprache zu gleiten, manchmal auch in südeuropäische Sprachen. Sie spielt mit Begriffsketten wie z.B. Starker Wodka, klarer Schnaps, trüber Blick, trinkbare Reinheit, fühlbare Schuldigkeit. Der Haupterzählstrang rankt sich um das Liebespaar Karlo und Gwen, besser gesagt, ist es ein Kampf der Geschlechter. Höhepunkt in dieser Beziehung ist, dass Karlo Gwen beim Baden im See ertränken will, um sie ganz zu besitzen. Verstörend wirkt auf mich, dass Gwen den Gedanken, von Karlo ertränkt zu werden, zunächst als fast angenehm empfindet. Auch bei ihr das Verlangen nach größtmöglicher Nähe. Da wir in diesem Jahr den 200. Geburtstag von Theodor Fontane feiern, möchte ich den Bogen zu seinem Roman „Effi Briest“ spannen. Auch hier wird die zerstörende Kraft im Verlauf der Beziehung von Effi Briest zu ihrem Ehemann Innstetten geschildert. Nur ein kleiner Vergleich zur Sprachlichkeit in den beiden Romanen. Ich habe in beiden Romanen jeweils hundert aufeinander folgende Wörter auf Anzahl der Substantive, Verben und Adjektive untersucht. So fand ich bei Lisa Kränzler 70 Substantive, Verben und Adjektive. Bei Theodor Fontane waren es 35 Substantive, Verben und Adjektive. Ich habe das natürlich an mehreren Textstellen untersucht. Lisa Kränzler hat mit ihrem Roman ein inhaltlich tiefgründiges Werk geschaffen, das gut auf Füllwörter ohne Aussage verzichten kann, weil es diese nicht nötig hat.“


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