Pressemitteilung der Polizeidirektion Görlitz

Autobesitzer aufgepasst: schlüssellos betriebene Fahrzeuge können Dieben im wahrsten Sinne des Wortes binnen Sekunden Tür und Tor öffnen

Bautzen 11.01.2018


Landkreise Bautzen und Görlitz

Der technische Fortschritt kann in mancherlei Hinsicht Fluch und Segen zugleich sein. Mit Blick auf Autodiebstähle trifft dieses immer häufiger auch auf moderne, schlüssellos betriebene Fahrzeuge zu.
Sollen die sogenannten Keyless-Go-Systeme eigentlich den Fahrzeugnutzern ein Plus an Komfort bieten, haben mittlerweile auch Autodiebe die digitalen Schnittstellen als Schwachstellen der Sicherheitstechnik ausgemacht.

Das Problem ist, dass die als Schlüsselersatz dienenden Transponder quasi permanent ein digitales Signal versenden, welches Diebe mit technischen Mitteln auffangen und für ihre kriminellen Zwecke nutzen können.

Um es an einem frei erfundenen, aber durchaus realistischen Beispiel zu erklären:

Herr Anton kommt am Abend nach getaner Arbeit nach Hause und stellt seinen erst wenige Monate alten Pkw unter dem Carport auf seinem Grundstück ab. Er geht ins Haus und hängt sein Schlüsselbund wie immer an die Garderobe im Flur.

Als es Nacht ist und alle tief und fest schlafen, schleichen unbemerkt dunkele Gestalten um sein Auto. Sie wissen genau, was sie suchen und können schon anhand der Marke, des Baujahres und der Ausstattung des Wagens mit geübtem Blick erkennen: dieses Auto ist eine lohnenswerte Beute und wird schlüssellos betrieben.

Nun machen sich die Täter auf digitalem Weg ans Werk. Sie gehen um das Haus von Familie Anton und suchen mit einem Empfänger nach dem digitalen Signal des Autoschlüssels, was dieser leider permanent versendet. Haben die Täter dieses einmal aufgefangen, geht alles ganz schnell. Sie treten an den Wagen heran, imitieren auf technischem Weg das aufgefangene Signal und gaukeln der Dekodertechnik des Autos so vor, dass es Herr Anton wäre, der vor der Wagentür stünde. Die Zentralverriegelung öffnet die Türen, per Knopfdruck lässt sich der Motor sofort starten - und die Diebe fahren mit dem Fahrzeug davon.


Wie ist die polizeiliche Lage?

In den Landkreisen Bautzen und Görlitz wurden im Jahr 2016 insgesamt 409 Fahrzeuge tatsächlich gestohlen. In weiteren 189 Fällen scheiterten die Täter aus verschiedensten Gründen, so dass die Diebstähle im Stadium des Versuches steckenblieben.

Für das Jahr 2017 liegen derzeit noch keine abschließenden Fallzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vor, doch ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der versuchten und auch vollendeten Autodiebstähle in der Oberlausitz deutlich erhöht hat. Schwerpunkt ist unverändert der grenznahe Raum zur polnischen Republik, insbesondere die Region in und um Görlitz, Zittau und auch Weißwasser. Aber auch die Mittelzentren Bautzen und Hoyerswerda stehen immer wieder im Fokus.

Betroffen waren und sind insbesondere Pkw der Volkswagen-Gruppe, also der Marken VW, Audi und Skoda, aber auch Mazda, BMW oder Renault.

Wie viele dieser Diebstähle tatsächlich schlüssellos betriebene Fahrzeuge betrafen, ist aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht herauszulesen - doch können wir uns sicher sein, dass die mechanischen Zeiten des klassischen Schraubendrehers oder des sogenannten „Polenschlüssels“ mehr und mehr der Vergangenheit angehören werden. Heutige Diebesbanden gehen immer öfter hochtechnisiert und arbeitsteilig zu Werke.

Im Fokus stehen die digitalen Schnittstellen der Fahrzeuge, auch die sogenannten OBD-Stecker, die einer Werkstatt eigentlich zum Anschluss von Diagnosegeräten dienen sollen.


Was tut die Polizei, um Ihr Eigentum zu schützen?

Wir, die Polizeidirektion Görlitz, aber auch die Bundespolizeiinspektionen Ebersbach, Ludwigsdorf und Dresden, sind Tag und Nacht nahezu rund um die Uhr in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Einsatz. Uns unterstützt dabei auch immer wieder die sächsische Bereitschaftspolizei. In den auftragsfreien Zeiten kontrollieren die Streifen auch etliche Fahrzeuge und Personen - immer mit dem Ziel, Gefahren abzuwehren, Straftaten zu verhindern oder beweissicher aufklären zu können. Klar sollte dabei aber auch sein, dass die Beamten nicht überall gleichzeitig sein können. Es kommt also auch immer ein Stück weit auf die Initiative eines jeden einzelnen an, sein Hab und Gut vor fremdem Zugriff zu sichern.


Was können SIE tun, um Ihr schlüssellos betriebenes Fahrzeug vor fremdem Zugriff zu schützen?

Der erste Schritt ist, sich bewusst zu werden, dass schlüssellos betriebene Fahrzeuge im Fokus von Autodieben stehen. Ebenso stellen die werkseitig verbauten Sicherungssysteme für moderne Autodiebe oftmals kaum ernstzunehmende Hürden dar. Es bedarf also zusätzlicher Sicherungen und damit Eigeninitiative und einen finanziellen Mehraufwand, um Dieben den Zugriff auf ihren Pkw zu erschweren.


Ein einfacher Grundsatz lautet: Alles, was Zeit kostet, mehr Aufwand bedeutet oder die Gefahr erhöht, entdeckt zu werden, kann Diebe abschrecken.

-An erster Stelle steht die sogenannte „Schlüsseldisziplin“. Lassen Sie Ihren Transponder nicht irgendwo rumliegen, sondern lagern Sie ihn nach Möglichkeit immer in einem abgeschirmten Behältnis, damit das Funksignal des Transponders nicht nach außen dringen und von Unberechtigten ausgelesen werden kann.

-Stellen Sie Ihren Wagen nach Möglichkeit in verschlossenen Garagen ab. Wenn das nicht möglich ist, können auch mechanische Sperrbügel oder andere Sperren am selbstverständlich immer verschlossenen Grundstückstor ein Plus an Sicherheit bedeuten.

-Der Einsatz einer Parkkralle oder einer Lenkradsperre kann auch zuhause nicht schaden.

-Die Polizei rät zum Einsatz alternativer Sicherungsmethoden, beispielsweise mechanische, mit einem Schlüssel verriegelbare Getriebesperren oder versteckt verbaute Möglichkeiten zu Kraftstoff- oder Zündunterbrechung.

-Bei der Anschaffung von Fahrzeugen im Wert mehreren 10.000 Euro oder mehr sollte auch die Investition in zusätzliche GPS-Ortungstechnik eigentlich keine wirkliche Frage mehr sein. Mithilfe der bestenfalls in Echtzeit vorliegenden Informationen ist es der Polizei bereits mehrfach gelungen, gestohlene Fahrzeuge noch während der Verbringung oder in einem Versteck zu orten und sicherzustellen.

-Kommt für Sie eine Videoüberwachung ihres Grundstücks in Frage? Dann bitte mit einem ausgereiften technischen System, dass auch nachts gut erkennbare Bilder liefert.

Als fachkundige Ansprechpartner zu all Ihren Fragen rund um das Thema des Eigentumsschutzes stehen Ihnen die Fachberater der polizeilichen Beratungsstellen gerne zur Verfügung. Kommen Sie auf uns zu.

Kontakt:

Telefon: 03581 468-4022
Email: praev.pd-gr@polizei.sachsen.de

(tk)



Veröffentlicht für:

Polizeidirektion Görlitz
Conrad-Schiedt-Straße 2
02826 Görlitz

Tel.: 03581 4680
Fax: 03581 46817106
E-Mail
Internet