Staatliche Kunstsammlungen Dresden geben Kunstobjekte an Polen zurück

überregional 10.07.2018


Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Ein kleines Stück Wiedergutmachung“

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) haben am 15. Juni 2018 der Republik Polen 124 ethnografische Objekte und 14 historische Fotografien für das Museum für Archäologie und Ethnologie in Łódź übergeben. Damit sind nach 78 Jahren einige der letzten Teile der einst umfangreichen Sammlung des Museums an ihren angestammten Ort zurückgekehrt. Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange, der polnische Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe, Prof. Dr. hab. Piotr Gliński und der Direktor des Museums in Łódź, Prof. Dr hab. Ryszard Grygiel werden heute in Łódź die Übergabe offiziell besiegeln.

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Mit diesem Tag erinnern wir auch an ein trauriges und furchtbares Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte. Umso mehr freue ich mich, dass es Kulturgüter sind, ursprünglich aus Südamerika, Asien und Afrika, die uns, Deutsche und Polen, heute in Łódź zusammenbringen. Mit der Übergabe der Kunstobjekte wollen wir ein kleines Stück des Unrechts wiedergutmachen, das Deutsche während der NS-Zeit in Polen verübt haben. Heute können wir uns glücklich schätzen, dass unser Umgang mit der Vergangenheit und unsere gemeinsamen Werte eine völkerverbindende, internationale kulturelle Zusammenarbeit ermöglichen. Gleichzeitig teilen wir miteinander die europäische Perspektive, aus der wir einen Blick auf die unterschiedlichen Kulturen dieser Welt werfen.“ Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass die Objekte nach 78 Jahren in das Museum für Archäologie und Ethnologie in Łódź zurückkehren. Die Rückgabe ist nicht nur das Ergebnis umfangreicher Provenienzrecherchen, sondern auch des intensiven Zusammenwirkens polnischer und deutscher Wissenschaftler. Die Kooperation der beiden Länder bei diesem bedeutenden Akt öffnet somit auch Türen für zukünftige gemeinsame Projekte und die kulturelle Zusammenarbeit. Dies ist den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein ganz besonderes Anliegen, da wir in den kommenden Jahren den Dialog mit unserem direkten Nachbarn Polen verstärken und vertiefen möchten.“

Zur Vorgeschichte: Unmittelbar nach der Besetzung Polens wurde im heutigen Museum für Archäologie und Ethnologie mit dem Prähistoriker Walter Frenzel in Łódź ein deutscher Museumsleiter eingesetzt, der die Sammlung ethnographischer Objekte in das Völkerkundemuseum nach Leipzig verlagern ließ. Dessen Direktor Prof. Dr. Fritz Krause bot Objekte anderen Museen im Reichsgebiet zum Tausch an. 1942 erfolgte ein Ankauf in Höhe von 7.500 Reichsmark für das Leipziger Museum, das wiederum größere Teile der Sammlung an das Hamburger und das Kölner Völkerkundemuseum sowie an das Institut für Völkerkunde der Universität Göttingen weiter verkaufte.
Die für das Rautenstrauch-Joest Museum in Köln bestimmte Sammlung wurde vermutlich in Leipzig bei einem Bombenangriff vernichtet.
Nach Kriegsende erfolgte von dem Leipziger Museum die Meldung an die Sowjetische Militäradministration über die Sammlung aus Łódź, die im April 1949 noch einmal aktualisiert wurde. Zu einer Rückgabe kam es indes nicht.
Erst am 21. Januar 1967 beschloss der DDR-Ministerrat die Rückgabe der Objekte. Mit dem „Protokoll der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und der Regierung der Volksrepublik Polen über die Rückgabe von ethnografischen Sammlungen“ vom 11. Mai 1967 wurde vereinbart, „Objekte der ethnografischen Sammlung, die während der faschistischen Okkupation aus dem Ethnografischen Museum in Lodz in das Museum für Völkerkunde in Leipzig verbracht wurden, zurückzugeben.“ Insgesamt umfasste diese Restitution 288 inventarisierte Objekte und 12 Einzelstücke ohne Inventarnummer. Durch Übergabe entsprechender Listen erfolgte auch eine Information über Weiterverkäufe nach Hamburg, Köln und Göttingen.
Aus Anlass der Restitution von insgesamt 330 Objekten aus dem Institut für Völkerkunde der Georg-August-Universität Göttingen an das Museum in Łódź am 13. Juni 2016 hat das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen am 13. Juli 2016 das Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig um Prüfung gebeten, ob in dessen Bestand über die 1967 erfolgte Rückgabe hinaus weitere aus Łódź stammende Exponate zugeordnet werden können.
Unterstützt von zwei polnischen Wissenschaftlerinnen identifizierte 2017 das heute unter dem Dach der SKD arbeitende Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig die nun übergebenen ethnografischen Objekte und ebenfalls wiederaufgefundene historische Fotografien als aus der Sammlung des Museums für Ethnografie Łódź stammend.
Die Rückgabe der Sammlungsbestände aus dem Freistaat Sachsen an die Republik Polen geschieht auf der völkerrechtlichen Grundlage internationaler Gepflogenheiten, dass kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter an den Herkunftsstaat übergeben werden sollen. Die SKD handeln wie auch die Georg-August-Universität Göttingen dabei in Übereinstimmung mit den Zielen des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991.

Mit unterschiedlichsten Maßnahmen unterstützt der Freistaat Sachsen bereits die Fachkräftegewinnung.

„Ein wichtiger Schlüssel bei der Gewinnung von Fachkräften ist Gute Arbeit“, so Minister Dulig. „Darunter verstehe ich faire Löhne, wertschätzende Unternehmensführung, Ausbildung, Aufstiegs- und Weiterbildungschancen sowie persönliche Entfaltungsmöglichkeiten im Unternehmen. Denn nur gute Bedingungen garantieren gute Fachkräfte.“

Hintergrund:

Im neuen Doppelhaushalt wurden die Voraussetzungen für das größte Bildungspaket seit 1990 geschaffen, um die duale Ausbildung zu stärken. Falls es während der Ausbildung klemmt, können Unternehmen und Auszubildende das Programm „Vorrang duale Ausbildung“ in Anspruch nehmen. Auch der Weiterbildungsscheck ist eine Erfolgsgeschichte: bis zu 80 Prozent der Weiterbildungskosten können gefördert werden – unabhängig vom Arbeitgeber. Von 2014 bis Mitte 2018 haben bereits 12.888 Menschen dieses Angebot genutzt.

Für die Förderung der beruflichen Weiterbildung stehen bis 2020 finanzielle Mittel aus dem ESF und aus Sachsen in Höhe von rund 73 Mio. EUR zur Verfügung. Unterstützung für Geflüchtete und deren Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetriebe kommt von insgesamt 48 Arbeitsmarktmentorinnen und -mentoren in allen Regionen Sachsens. Ziel ist die nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Die Arbeitsmarktmentoren begleiten Geflüchtete auf dem Weg in Ausbildung oder Beschäftigung. Nicht zuletzt werden die Landkreise und Kreisfreien Städte mit Regionalbudgets bei ihren Projekten zur Fachkräftesicherung unterstützt. Im Jahr 2017 konnten so 94 Projekte mit einem Bewilligungsvolumen von 4,94 Millionen Euro gefördert werden. Die Projekte sind zum Teil mehrjährig angelegt.


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